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Elternverein für krebskranke Kinder e.V.

Die deutschen Meisterschaften im 24h-Lauf in Stadtoldendorf am 2009-06-20/21:

Anfang des Jahres brauchte Frank mich nicht lange zu überreden, an den Deutschen Meisterschaften im 24-Stundenlauf teil zu nehmen. Nach langer Vorbereitung mit vielen Höhen und Tiefen, Dank an dieser Stelle an meine Kinder und Freund Thomas für die Unterstützung, ging es am 19.Juni 2009 Richtung Stadtoldendorf. Gegen 19.00Uhr angekommen, rechtzeitig zum Empfang mit Sekt und O-Saft, wurden wir von einigen Mitläufern herzlich begrüßt. Diese familiäre Atmosphäre hatte mich vor zwei Jahren schon beeindruckt. Keine dummen Fragen wie: Was möchtest du laufen? Kein Leistungsdruck wie bei anderen Volksläufen.

Nachdem wir unsere Unterlagen geholt, die Schlafsachen in der Turnhalle untergebracht und uns orientiert haben ging es ab zur 'Henkersmahlzeit'. Der Verdauungßpaziergang führte uns über die Laufstrecke. Runde abgegangen, Schreck bekommen. Die Strecke besitzt leichte Anstiege und Gefälle. Bergab von ca. 7m ging es ins Stadion. Von runterlaufen konnte hier nicht die Rede sein, da der Abstieg zu steil war; dies war mir beim Besichtigen schon klar. Die Beschaffenheit der Strecke hatte es in sich. Es ging über Feldwege aus Schotter, asphaltierter Landstraße, Stadionrunde aus Tartan und unebene Fußwege. Also sehr anspruchsvoll und volle Konzentration beim Laufen wurde verlangt.

Mein persönliches Ziel sind die 150km. Das Rennen wurde in drei Etappen zu jeweils 50km in 8 Stunden aufgeteilt.

Am 20.Juni 2009 um 13.30Uhr fiel der Startschuß zu den wahrscheinlich längsten 24 Stunden meines Lebens. Der Wind bläst leicht, es regnet wenigstens nicht, noch nicht. Gelaufen wird die abwechslungsreiche erwähnte Runde incl. jeweils 500m im Stadion. Zum Anfang etwas irritierend für alle. 30km sind gelaufen und Frank schimpft immer noch mit mir, das ich zu schnell sei. Ich merke es an meinen Waden und Gelenken. Also runter vom Tempo und mehr auf die Strecke achten. Gedacht, getan und es lief besser.

Es fängt an zu regnen, gleichzeitig läßt sich die Sonne blicken. Wir werden mit zwei wunderschönen Regenbogen belohnt. Ein Highlight für die Augen. Man sieht den Anfang, das soll Glück bedeuten. Ich glaube daran und meine Motivation wird besser. Frank habe ich bereits verloren. Er plagt sich mit seiner Verletzung.

Um 19.30Uhr habe ich bereits mein erste persönliche Etappe von 50km 'abgearbeitet' d.h. ich habe ein Zeitpolster von zwei Stunden rausgelaufen. Anstatt zu rasten lief ich Runde für Runde weiter. Nach 85km taten mir die Oberschenkel weh. Nach einem kurzen Smalltalk am Rande mit einem Läufer, er kam aus der Dusche, entschloß ich mich, dies auch zu versuchen. Ab zum Auto, Dusch- und Wechselsachen geholt, und zur Dusche. Anschließend warme Sachen angezogen, die Nacht war kalt, und weiter ging es. Es lief tatsächlich besser. Keine Schmerzen mehr und ich war immer noch sehr gut in meiner Zeit.

Die Nacht lief schnell vorbei. Es waren weniger Läufer auf der Strecke und zu meinem mentalen Aufbau bekam ich von dem einen oder anderen Läufer einen Schulterklopf, das ich auch die Nacht 'durchmache'. Von Müdigkeit keine Spur aber es wird langweilig. Meine zweite Etappe habe ich um 3.30Uhr erreicht. Immer noch mein Zeitpolster von zwei Stunden in der Sicherheit. Läuft doch gut, wenn da nur nicht diese Langeweile im Kopf ist. Ich mache weiter. Die Gehpausen werden länger. Aber immer noch auf der Strecke. Frank sehe ich auch wieder. Er hatte sich etwas hingelegt um seinen Fuß zu schonen. Sein Tempo war mir auf einmal zu schnell. Klar doch, Frank ist ausgeruht. Leicht genervt und etwas zickig, bin halt eine Frau, sage ich es Frank. Er hat Verständnis dafür und läßt mich meine restlichen Runden ziehen. Die letzten 50km werden zum Härtetest für Körper und Geist.

5.30 Uhr habe ich die 110km erreicht. Fange an zu rechnen. Noch 40km in 8Stunden d.h. 10km in zwei Stunden. Wenn ich diese gehe, schaffe ich es dann noch?

Um 7.00Uhr beginnt es wolkenbruchartig zu regnen. Es stört mich nicht sonderlich. Schließlich komme ich meinem Ziel immer näher. Die Beine schmerzen wieder. Am meisten die Füße.

Durch die Lautsprechanlage wird der Zwischenstand der Läufer mitgeteilt. Es intereßiert mich nicht, da ich mein eigenes Ziel habe. Am Rande bekomme ich mit, das Marianne Dahl, W65!, auf dem Weg des deutschen Rekords und vielleicht auch des Weltrekords in der Altersklaße ist. Drücke ihr insgeheim die Daumen.

Ich trabe weiter. Meine Runden zähle ich gar nicht mehr, verzähle mich eh ständig. Man kann zwar seinen aktuellen Laufstand erfragen, mal ist der Stand aktualisiert, mal nicht. Zwinge mich dazu, wenigstens eine Runde zu laufen und im Stadion die Gehpause zu machen. Klappt recht gut. 10.30Uhr sind die 140km durchlaufen. Von Laufen kann nun nicht mehr die Rede sein. Von Müdigkeit immer noch keine Spur, aber ich bin einfach k.o.

Frank ist wieder in meiner Sichtweite. Das ich immer noch gut in meinem Plan bin, weiß er bereits. Ich berichte ihm nur kurz von meinem Desaster vom Runden zählen und ich gar nicht mehr genau weiß, wie viel ich eigentlich wirklich schon habe. Gehe von meinem eigenen zählen aus. Berichte auch von meinen noch bevorstehenden restlichen 10km und das ich überhaupt nicht mehr kann. Frank bleibt bei mir und wir gehen die letzten Kilometer zusammen. Ich könnte zwischendurch weinen, so fertig bin ich körperlich. Der Wille ist stärker.

Um 13.00Uhr ist mein persönlichen Ziel von 150km sicher erreicht. Habe sogar mehr erlaufen. Damit ist für mich mein Lauf beendet. Ich gebe den Chip ab und freue mich auf eine warme Dusche. Frank bleibt bis zum Schluß auf der Strecke. Bei der Siegerehrung kommt sogar eine Summe von 157km zusammen. Ich erinnerte mich daran, das meine persönliche Zählung in den Anfangßtunden mit den der Chipzählung nicht übereinstimmte. Der Chip hatte immer weniger gezählt. ärgerlich für mich. Dachte schon, ich kann nicht zählen. Die Chips wurden aber alle noch geprüft und da waren meine fehlenden Runden wieder. Um so erfreulicher für mich.

Rechtzeitig zur Siegerehrung kam die Sonne. Nun brach sie auch nicht mehr, war mein Gedanke. Marianne Dahl hat sich den Weltrekord mit 176,519km geholt. Glückwunsch! Ich bedanke mich nochmals ganz doll bei Frank für seine Unterstützung und ich würde die 24Stunden wieder laufen.

Jeannette Horn

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